2006, – Letzte Elitesaison, J&S Kurs, Unfall –fertig Biken???
Aus Neugier habe ich für meine letzte Elitesaison noch einen neuen Trainer beauftragt mir Pläne zu schmieden. Das Trainingscamp gestaltete ich wie immer auf Gran Canaria und neu in der Toskana. Sportlich gesehen verlief die Saison gut, so wie immer, nur mit dem Wissen, dass viele verschiedene Trainingspläne gleiche Leistungen bringen können, aber der Trainer und sein Umgang und Vertrauen mit dem Athleten eine gewichtige Rolle spielt. Die Saison neigte sich dem Ende zu und ich wurde angefragt, ob ich nicht Lust hätte, in der Toskana als Guide einzusteigen. Klar nahm ich diese Herausforderung gerne an und meldete mich im Herbst noch für einen J&S Kurs im Radsport an, auch um Markus Baumann im freiwilligen Schulsportfach MTB zu unterstützen, wenn er mal ausfällt. Am zweitletzten Tag von dem wöchigem J&S Grundkurs wollte ich auf der BMX Bahn einen Hubel überspringen. Es steckte etwas viel Anfahrtsgeschwindigkeit drin, – zuviel, der Hubel war längst übersprungen und kopfüber viel ich in ein Loch, in die Kompression! Diesmal konnte ich die linke Schulter nicht mehr anheben und ein Knochen lag irgendwie nicht mehr an der richtigen Position. Ich wurde in das umliegende Spital gebracht zum röntgen. Es verging eine ganze Weile bis ein Ü85 Arzt, ich übertreibe leicht, die Tür öffnete und mich informierte, dass die Bänder an der linken Schulter abgerissen seien und daher eine Art Klaviertaste, der Knochen eben an der Schulter nun gut sichtbar ist, entstanden sei. Der ältere Herr machte mir auch klar, dass eine OP dringend nötig sei und auch mit einer OP es nicht gewährleistet sei, dass ich einen Bikelenker jemals wieder fest halten könne! Diese Nachricht hat mich kurz mal erschüttert, ich hätte wohl geweint, hätte ich keine Art Schockzustand zu diesem Zeitpunkt erlitten nach diesen Aussagen des Arztes. Irgendwas drängte mich, die OP nicht jetzt sofort in diesem Spital zu machen, ich wollte nach Hause und den Eingriff in Olten über mich ergehen lassen, zu Hause, doof gesagt! Ich packte meine Sachen, fuhr irgendwie schmerzverzehrt, psychisch wie physisch nach Olten. Keine Ahnung wie oft mir der Gedanke durch den Kopf ging, was wenn ich nicht mehr meine Passion ausüben kann. Gefasst und eigentlich im Wissen, dass mir dieser Arzt in Olten wohl gleich das Gleiche mitteilen wird, wie im anderen Spital, näherte ich mich meiner ersten OP! Der zuständige Arzt begrüsste mich völlig locker und entspannt schaute er sich die Röntgenbilder an und verschrieb mir Physiotherapie. Ähm, – hallo, wurden hier etwa Personen verwechselt, ich sollte doch unter das Messer, war mein Gedanke. Ziemlich erstaunt fragte ich nach, ob dann keine OP nötig sei, – nein, hiess es, eine gute Muskulatur und Physiotherapie reiche aus und Biken sei eigentlich kein Problem. Ich hätte wohl am Morgen eine ganze Packung Ohrenwattestäbchen brauchen sollen, – ich hör wohl nicht recht! Man konnte es aber in ganz Olten hören, wie mir ein Felsbrocken vom Herzen viel, auf einen Schlag von finsterer Mine zu einem Strahlen im Gesicht, verreckter als das Kernkraftwerk in Gösgen. Ich konnte es kaum glauben und die Motivation war enorm gross, schnellst möglich wieder fit zu werden. Einmal mehr stand ein Aufbautraining à la Fäbu an, Geduld, Disziplin und ein enormer Wille, dass sind wohl die Stärken die man aus solchen Situationen mitnimmt und stolz sein kann, wenn man sämtliche Bewegungsabläufe wieder hinkriegt. Klar, hinter so schnellem Aufbau steckt das Wort „Egoismus“, da gibt es nur ein Ziel, alles andere wird nebensächlich. Es passt an dieser Stelle gut rein, dass ich noch im November die Schwinn Cycling Instruktor Ausbildung besuchte, quasi mit „Stützrädli“ unterwegs, damit ich nicht mehr auf die Schnauze fliege! Und ja, es gab noch was zu feiern, die Clubmeisterschaft hatte ich wieder im Sack zum 3. Mal in Serie und zum 7. Mal insgesamt.